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Drei rotgefiederte Schwäne suchten das Wasser nach Brotresten ab, ohne die dürre Gestalt wenige Meter neben sich zu beachten. Die Augen des Mannes, fahle Murmeln in einem hohlen Gesicht, standen still. Seine Haut klebte wie feuchtes Pergamentpapier auf einem Netz blauer Adern. Er zwang sich zu zwinkern. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er noch atmete.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Eine ältere Dame mit silbernem Hut spazierte über die breiten Sandsteinstufen in der Nähe des Wassers. Um ihre Beine tänzelte ein kleiner Roboterhund, dessen Carbon-Schwanz fröhlich wedelte. Während die Frau stur weiterging, ohne die dürre Gestalt zu beachten, blieb der Hund stehen. Beim Anblick des Vierbeiners regte sich etwas in dem Mann. Eine längst verblasste Erinnerung. Ein Echo, das zu schwach und weit entfernt war, um es noch zu erkennen. Der Roboterhund verlor das Interesse und folgte seiner Besitzerin mit trippelnden Schritten. Das Echo verblasste.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Der pochende Schmerz hinter den Augen des Mannes wurde schlimmer. Schreiende Gedanken hallten durch seinen Schädel. Wenigstens lenkte das von den Narben ab, die wie immer höllisch juckten, sobald er schwitzte.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Seine rechte Hand fuhr in die weiße Plastiktüte zwischen seinen Beinen und schloss sich um eine Flasche Orangensaft. Ohne hinzusehen, öffnete er den Schraubverschluss.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Der Duft frisch gepresster Orangen war wie die Umarmung eines lang vermissten Freundes. Endlich wieder vereint. Der Mann setzte die Flasche an seine Lippen. Die kühle Flüssigkeit fiel in seinen vollkommen leeren Magen, der sofort verkrampfte. Mit geschlossenen Augen und offenem Mund stellte er die Flasche auf den steinernen Boden neben die Tüte. Seine Lippen formten ein Lächeln, dünn wie ein Strich.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Er nahm die leere Plastiktüte in beide Hände und stülpte sie über seinen Kopf. Seine Finger glitten zum Gürtel, öffneten die Schnalle und zogen das braune Leder aus den Schlaufen seiner faltigen Hose. Die Luft schmeckte nach Plastik. Er wickelte den Gürtel auf Höhe des Halses um die Plastiktüte und zog ihn mit einem Ruck fest zu.
Lecker. Lecker. Lecker. Lecker.
Er sprang auf, starr und verkrampft blieb er stehen wie eine Kerze. Die Feuchtigkeit seines Atems benetzte die Innenseite der Plastiktüte; er leckte daran.
Frisch. Fruchtig. Lecker.
Der einsetzende Sauerstoffentzug elektrisierte jeden Millimeter seiner Haut. Ein Feuerwerk der Neuronen.
FrischLeckerFruchtigLeckerFrischLeckerFruchtigLecker.
Ungeduldig schob er Hose und Unterhose zwischen die Knöchel und massierte sein steifes Glied. Mit jedem Atemzug wurde die weiße Plastiktüte tiefer in seinen offenen Mund gesogen. Erste Passanten drehten sich erschrocken um, als wäre der masturbierende Mann mit der Tüte über dem Kopf aus dem Nichts erschienen.
»Frisch! Lecker! Fruchtig! Lecker!«
Seine stummen Gedanken hatten sich in plastikverzerrte Schreie verwandelt, die über die Alsterterrassen hallten. Mit jeder Wiederholung verloren die Worte an Kraft, im Gegensatz zur Hand, die immer schneller masturbierte. Zwei junge Frauen schoben ihre Kinderwagen eilig davon, drei ältere Herren empörten sich lautstark, ein Mädchen weinte, alle anderen bemühten sich, den offensichtlich verwirrten Mann einfach zu ignorieren. Nur eine Gruppe junger Männer starrte unablässig in seine Richtung. Kleine, rote Punkte leuchteten auf ihren Pupillen.
»Frisch … fruchtig … lecker.«
Die Schreie wurden ein Röcheln, das Röcheln ein Flüstern. Weiße Sterne tanzten im Sichtfeld des Mannes, als er benommen auf die Knie sackte. Ein letztes Mal fühlte er sich lebendig in einem Körper, der ihm schon lange fremd geworden war. Mit einem dumpfen Knall fiel er auf die Seite, den erigierten Penis weiter fest umgriffen. Das kaum noch wahrnehmbare Heben und Senken der Plastiktüte hatte aufgehört. Die Sirenen eines Krankenwagens erklangen in der Ferne, während die ersten Passanten langsam wagten, näherzukommen. Selbst die alte Dame mit dem Roboterhund war zurückgekehrt. Mit offenem Mund starrte sie auf die zusammengekauerte Gestalt, deren aufgerissene Augen- und Mundhöhlen sich in der weißen Plastikoberfläche abzeichneten, als hätte ein Bildhauer Ekstase in Kunststoff gegossen. Zittrig nahm sie ihren silbernen Hut vom Kopf, um sich darin zu übergeben, während ihr Hund an der blassen Eichel des toten Mannes schnüffelte.
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Drei rotgefiederte Schwäne suchten das Wasser nach Brotresten ab, ohne die dürre Gestalt wenige Meter neben sich zu beachten. Die Augen des Mannes, fahle Murmeln in einem hohlen Gesicht, standen still. Seine Haut klebte wie feuchtes Pergamentpapier auf einem Netz blauer Adern. Er zwang sich zu zwinkern. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er noch atmete.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Eine ältere Dame mit silbernem Hut spazierte über die breiten Sandsteinstufen in der Nähe des Wassers. Um ihre Beine tänzelte ein kleiner Roboterhund, dessen Carbon-Schwanz fröhlich wedelte. Während die Frau stur weiterging, ohne die dürre Gestalt zu beachten, blieb der Hund stehen. Beim Anblick des Vierbeiners regte sich etwas in dem Mann. Eine längst verblasste Erinnerung. Ein Echo, das zu schwach und weit entfernt war, um es noch zu erkennen. Der Roboterhund verlor das Interesse und folgte seiner Besitzerin mit trippelnden Schritten. Das Echo verblasste.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Der pochende Schmerz hinter den Augen des Mannes wurde schlimmer. Schreiende Gedanken hallten durch seinen Schädel. Wenigstens lenkte das von den Narben ab, die wie immer höllisch juckten, sobald er schwitzte.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Seine rechte Hand fuhr in die weiße Plastiktüte zwischen seinen Beinen und schloss sich um eine Flasche Orangensaft. Ohne hinzusehen, öffnete er den Schraubverschluss.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Der Duft frisch gepresster Orangen war wie die Umarmung eines lang vermissten Freundes. Endlich wieder vereint. Der Mann setzte die Flasche an seine Lippen. Die kühle Flüssigkeit fiel in seinen vollkommen leeren Magen, der sofort verkrampfte. Mit geschlossenen Augen und offenem Mund stellte er die Flasche auf den steinernen Boden neben die Tüte. Seine Lippen formten ein Lächeln, dünn wie ein Strich.
Frisch und fruchtig. Das schmeckt lecker.
Er nahm die leere Plastiktüte in beide Hände und stülpte sie über seinen Kopf. Seine Finger glitten zum Gürtel, öffneten die Schnalle und zogen das braune Leder aus den Schlaufen seiner faltigen Hose. Die Luft schmeckte nach Plastik. Er wickelte den Gürtel auf Höhe des Halses um die Plastiktüte und zog ihn mit einem Ruck fest zu.
Lecker. Lecker. Lecker. Lecker.
Er sprang auf, starr und verkrampft blieb er stehen wie eine Kerze. Die Feuchtigkeit seines Atems benetzte die Innenseite der Plastiktüte; er leckte daran.
Frisch. Fruchtig. Lecker.
Der einsetzende Sauerstoffentzug elektrisierte jeden Millimeter seiner Haut. Ein Feuerwerk der Neuronen.
FrischLeckerFruchtigLeckerFrischLeckerFruchtigLecker.
Ungeduldig schob er Hose und Unterhose zwischen die Knöchel und massierte sein steifes Glied. Mit jedem Atemzug wurde die weiße Plastiktüte tiefer in seinen offenen Mund gesogen. Erste Passanten drehten sich erschrocken um, als wäre der masturbierende Mann mit der Tüte über dem Kopf aus dem Nichts erschienen.
»Frisch! Lecker! Fruchtig! Lecker!«
Seine stummen Gedanken hatten sich in plastikverzerrte Schreie verwandelt, die über die Alsterterrassen hallten. Mit jeder Wiederholung verloren die Worte an Kraft, im Gegensatz zur Hand, die immer schneller masturbierte. Zwei junge Frauen schoben ihre Kinderwagen eilig davon, drei ältere Herren empörten sich lautstark, ein Mädchen weinte, alle anderen bemühten sich, den offensichtlich verwirrten Mann einfach zu ignorieren. Nur eine Gruppe junger Männer starrte unablässig in seine Richtung. Kleine, rote Punkte leuchteten auf ihren Pupillen.
»Frisch … fruchtig … lecker.«
Die Schreie wurden ein Röcheln, das Röcheln ein Flüstern. Weiße Sterne tanzten im Sichtfeld des Mannes, als er benommen auf die Knie sackte. Ein letztes Mal fühlte er sich lebendig in einem Körper, der ihm schon lange fremd geworden war. Mit einem dumpfen Knall fiel er auf die Seite, den erigierten Penis weiter fest umgriffen. Das kaum noch wahrnehmbare Heben und Senken der Plastiktüte hatte aufgehört. Die Sirenen eines Krankenwagens erklangen in der Ferne, während die ersten Passanten langsam wagten, näherzukommen. Selbst die alte Dame mit dem Roboterhund war zurückgekehrt. Mit offenem Mund starrte sie auf die zusammengekauerte Gestalt, deren aufgerissene Augen- und Mundhöhlen sich in der weißen Plastikoberfläche abzeichneten, als hätte ein Bildhauer Ekstase in Kunststoff gegossen. Zittrig nahm sie ihren silbernen Hut vom Kopf, um sich darin zu übergeben, während ihr Hund an der blassen Eichel des toten Mannes schnüffelte.